Berhalters Zauberfuß macht Thomas Müller glücklich

Die Vancouver Whitecaps setzen ihre Erfolgsserie fort.

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Chaehyun Lim

Gegnerischer Trainer sieht Müller als Vorbild

Auch in ihrem ersten MLS-Auswärtsspiel dieser noch jungen Saison konnten die Vancouver Whitecaps und Thomas Müller ihre Erfolgsserie fortsetzen. Nach den beiden Heimsiegen gewannen die Kanadier mit einem über die volle Distanz auf dem Platz stehenden Müller mit 4:1 bei den Portland Timbers.

Die bayerische Legende fungierte mit ihrem Auftritt sogar als Vorbild für den Gegner, wie Portland-Trainer Phil Neville nach dem Spiel sagte: „Ich möchte, dass sie sich alle das Spiel noch einmal ansehen und Thomas Müller in der 90. Minute zurücklaufen sehen. Einige unserer Jungs haben das nicht getan“, hob er die Intensität und Laufbereitschaft des 36-Jährigen hervor.

Tatsächlich wurde Müller mit fortlaufender Spieldauer immer präsenter im Spiel der Whitecaps – wenngleich er anfangs wieder öfter auf den linken Flügel ausweichen musste, um Ballkontakte zu sammeln. In ihrem gewohnten 4-2-3-1 waren die Gäste insbesondere in der ersten Halbzeit einmal mehr das spieldominante Team.

Starkes Gegenpressing führt zum Tor

Gegen ein häufig enges 4-3-3 im Spiel gegen den Ball der Timbers, die damit versuchten, das Zentrum zu verdichten, scheute man sich nicht, auch unter Druck zu den beiden ballsicheren Sechsern Andre Cubas und Sebastian Berhalter hineinzuspielen. Dabei setzte Vancouver im tiefen Ballbesitzspiel oftmals auf einen 2-4-Aufbau, wodurch die Passwege auf die Flügel häufig frei waren und man das Pressing oftmals überspielte.

Die Timbers setzten auf Konterchancen und lauerten auf Fehler von Vancouver, die sie vor der Pause zwei- bis dreimal anboten – allerdings ohne Folgen. Warum die Whitecaps trotz ihres vielen Ballbesitzes so wenig Konterchancen zuließen, zeigte eine Szene kurz vor dem Führungstor: Jeevan Badwal jagte einem hohen Ballverlust sofort hinterher und eroberte den Ball zurück. Aus diesem scharfen Gegenpressing resultierte letztlich das 1:0 durch Stürmer Brian White, der eine feine Berhalter-Hereingabe aus kurzer Distanz verwertete – die erste richtige Chance der Gäste.

Müller präsenter, Berhalter überragend

Daraufhin fand Müller immer besser Freiräume im Zentrum – und seine Mitspieler ihn. Auch wenn der Nummer 13 auch diesmal nicht alles mit Ball gelang und der ein oder andere vermeidbare Fehlpass dabei war, lieferte er auch ohne Ball am Fuß seinen Mehrwert. Einerseits durch ein ständiges Coaching der Mitspieler und andererseits durch clevere Laufwege oder Blocks von Gegenspielern, die seinen Mitspielern Freiräume ermöglichten.

Einen seiner zwei Abschlüsse gab Müller in der 33. Minute ab, als er zunächst mit einem tiefen Klatschball half, das gegnerische Pressing einmal mehr zu überspielen, und nur wenige Sekunden später aus rund 20 Metern abzog.

Kurz nach der Pause war es dann wieder ein ruhender Ball von Berhalter, der die Vorentscheidung besorgte. Seine Halbfeldfreistoßflanke auf den zweiten Pfosten erreichte Innenverteidiger Tristan Blackmon, dessen Torversuch im zweiten Anlauf mit etwas Glück im Netz landete.

Daraufhin schien das Spiel gegen einen bislang harmlosen Gegner mit so gut wie keinen Torchancen entschieden. Umso mehr, weil der überragende Berhalter mit einem platzierten Abschluss aus dem Rückraum eine starke Vorbereitung von Linksaußen-Dribbler AZ Jackson zum 3:0 in der 63. Minute vollendete.

Kleiner Wackler der Whitecaps

In dieser Phase ergaben sich mehr und mehr Freiräume für die Whitecaps, in denen Müller sichtlich Spaß am Kombinieren fand und noch einige kluge Pässe spielte. Auch wenn seine Bewegungen nicht immer konventionell waren, so waren sie oftmals effektiv. Ebenso seine Wege gegen den Ball, mit denen er Portland den Weg zurück ins Spiel erschwerte.

Nichtsdestotrotz kamen die Timbers nach einem Dreifachwechsel der Whitecaps durch einen traumhaften Fernschuss von Eric Izoita in der 72. Minute zurück ins Spiel.

In einem eigentlich entschieden geglaubten Spiel kippte das Momentum noch einmal. Die Whitecaps schienen für ein paar Minuten zu wackeln und ließen sich tiefer fallen. Angesichts von insgesamt nur 0,5 Expected Goals der Gastgeber war aber auch in dieser vermeintlich kritischen Phase die Gefahr nie wirklich real. Auch Müller half dabei, die vielen Hereingaben von Portland zu verteidigen.

Ungefährdeter Sieg

Stattdessen konnten die Whitecaps das Spiel schnell wieder beruhigen und die sich ergebenden Räume in der 87. Minute nutzen. Auch hier war es wieder eine starke Gegenpressing-Aktion, die das Tor zum 4:1-Endstand durch Doppelpacker White nach Steckpass des eingewechselten Kenji Cabrera einleitete.

Am Ende stand ein letztlich ungefährdeter 4:1-Sieg für die Vancouver Whitecaps, der angesichts von 17:7 Schüssen und 3,1 Expected Goals in Ordnung geht. Thomas Müller bot eine typische Müller-Leistung, die seinem Team auch ohne Tore und Vorlagen einen wichtigen Mehrwert bietet.

Auch seine Klasse abseits der rein fußballerischen Fähigkeiten wurde einmal mehr deutlich, als er nach dem Treffer zum 3:0 seine Mitspieler darauf hinwies, nicht allzu ausgelassen vor den heimischen Fans zu jubeln und sich bei diesen sogar entschuldigte.

Die Bilanz in der MLS 2026 bleibt mit drei Siegen und 8:1 Toren weiterhin makellos. Bereits am Freitagmorgen um 3:00 Uhr deutscher Zeit geht es mit dem Achtelfinal-Hinspiel im Champions Cup zu Hause gegen die Seattle Sounders weiter.