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Thomas Müller erneut nur auf der Bank bei Vancouver Whitecaps-Niederlage

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Mark Zhuang

Müller bei Niederlage wieder auf der Bank

Für Thomas Müller ging bei den Vancouver Whitecaps eine eher durchwachsene Woche zu Ende. Während er beim äußerst überzeugenden 6:0-Heimsieg über Minnesota am letzten Wochenende in der MLS noch 76 Minuten auf der Bank saß, erlebte er unter der Woche das Aus im Achtelfinale des Champions Cup. Auch mit Müller in der Startelf konnte die 0:3-Heimniederlage im Hinspiel gegen Seattle nicht mehr aufgeholt werden. Stattdessen setzte es erneut eine 1:2-Niederlage. Am fünften Spieltag folgte nun auch die erste Niederlage in der MLS mit 0:1 gegen die San Jose Earthquakes. Müller und Timo Werner auf Seiten der Gäste saßen zunächst jeweils auf der Bank.

Ausgeglichene Partie

In der ersten Halbzeit sahen die beiden ehemaligen deutschen Nationalspieler eine ausgeglichene Partie, wie es auch der Ballbesitz (50:50), die Abschlüsse (6:7) und die Expected Goals (0,63 zu 0,67) widerspiegelten. Die Whitecaps mussten ohne ihr Herz im Mittelfeld – Sebastian Berhalter und Andre Cubas – Lösungen gegen einen mannorientiert verteidigenden Gegner finden. Insbesondere Ralph Priso versuchte immer wieder, mit mutigen Vertikalpässen Lösungen zu kreieren. In den zentralen Raum vor dem Strafraum, den AZ Jackson diesmal als Zehner besetzte und mit dem er auch etwas fremdelte, fand man jedoch selten.

Rückstand kurz vor der Pause

Über 1-gegen-1-Duelle auf dem Flügel oder lange Pässe hinter die gegnerische Abwehrkette kam die Mannschaft von Trainer Jesper Sørensen dennoch immer wieder zu gefährlichen Ansätzen. Nach gut einer halben Stunde wäre eine Führung – vor allem durch Chancen des sich gut bewegenden Stürmers Brian White – durchaus möglich gewesen. Gegen das Pressing von Vancouver fanden die Earthquakes aber ebenfalls immer wieder gute Third-Man-Play-Lösungen, weshalb der Druck nicht zu groß wurde. Zudem offenbarte die linke Abwehrseite der Whitecaps einmal mehr Lücken.

Bitter: Als es bereits nach einer torlosen ersten Halbzeit aussah, ging San Jose, die immer wieder Nadelstiche setzten, durch ein Traumtor in Führung. Nicht zum ersten Mal zeigte sich Cheick Sabaly unsauber bei der Ballannahme, wodurch Beau Leroux den zweiten Ball nach einer Ecke aus rund 20 Metern ins Kreuzeck schweißen konnte.

Trotz Müller: ideenloser Ballbesitz

Sørensen reagierte zur Pause: Müller kam in die Partie, AZ Jackson rückte auf seine gewohnte linke Seite und Sabaly ging vom Feld. Dass es nicht der Tag des 36-jährigen Bayern-Spielers werden könnte, war bereits anhand seiner ersten Aktionen zu erkennen, die unglücklich wirkten. Tatsächlich konnte auch seine Einwechslung nur wenig offensiven Input liefern. Letztlich wirkte der in der zweiten Halbzeit auf 74 Prozent gestiegene Ballbesitz ideenlos. Nur magere fünf Abschlüsse und 0,35 Expected Goals sprangen heraus – ohne Schussbeteiligung von Müller.

Die Gäste beschränkten sich im zweiten Durchgang ausschließlich auf das Verteidigen ihres Vorsprungs – der letzte Torschuss war bereits der Siegtreffer kurz vor dem Pausenpfiff. Daran änderte auch die Einwechslung von Timo Werner in der 54. Minute nichts mehr. Vancouvers Angriffe endeten zumeist auf dem Flügel mit vielen Flanken, die zu vorhersehbar waren – wenngleich die Niederlage angesichts des Traumtores auch ein Stück weit unglücklich war.

Durchwachsene Woche für Müller

So blickt Thomas Müller persönlich auf eine durchwachsene Woche zurück, die von zwei Bankplätzen in der MLS inklusive einer Niederlage sowie dem Ausscheiden aus dem Champions Cup geprägt war. Für die Vancouver Whitecaps könnte die Länderspielpause möglicherweise zum richtigen Zeitpunkt kommen – wenngleich viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sein werden. In zwei Wochen wartet dann das nächste Heimspiel gegen die Portland Timbers, die man erst vor zwei Wochen mit 4:1 im bislang einzigen MLS-Auswärtsspiel besiegte.

Erster Titel für Thomas Müller schon weg? Klare Niederlage der Vancouver Whitecaps im Champions Cup

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Chaehyun Lim

Sørensen rotiert

„Die erste Hälfte der Saison dreht sich um den Champions Cup“, sagte Thomas Müller vor einigen Tagen. Dass sein Trainer Jesper Sørensen das womöglich etwas anders sehen könnte, ließ seine Startaufstellung beim Achtelfinal-Hinspiel der Vancouver Whitecaps bereits andeuten. Denn im Vergleich zum überzeugenden 4:1-Sieg in der MLS bei den Portland Timbers nahm der 52-Jährige gleich mehrere Änderungen vor, die sich letztlich im Spiel und im Ergebnis widerspiegelten: Die Kanadier verloren deutlich mit 0:3.

Löchriges Pressing

„Es war meine Entscheidung, einige Änderungen in der Aufstellung vorzunehmen. Natürlich beeinflusst das etwas den Rhythmus“, musste sich Sørensen nach der Niederlage eingestehen. Müller selbst stand nicht nur in der Startelf, sondern auch über die vollen 90 Minuten auf dem Feld. Nichtsdestotrotz war gleich von Beginn an zu erkennen, dass die erste Elf ohne Brian White, AZ Jackson, Andre Cubas und Ralph Priso wenig aufeinander abgestimmt wirkte. Das ansonsten so griffige Pressing der Whitecaps war zu löchrig. Immer wieder klafften große Lücken hinter der ersten Pressinglinie um Müller, die Zuordnungen stimmten teilweise nicht.

Das ermöglichte es einerseits den Gästen aus Seattle, sich immer wieder aus dem Druck zu befreien und anschließend Tempo aufzunehmen. Andererseits eroberten die Whitecaps in der Anfangsphase nur wenige hohe Bälle und konnten dementsprechend keine wirkliche Dominanz und Spielkontrolle entwickeln. Stattdessen kamen die Sounders immer wieder zu gefährlichen Angriffen. Nach gut der Hälfte des ersten Durchgangs wäre eine Führung der US-Amerikaner nicht unverdient gewesen.

Ideenloser Ballbesitz

Sørensens Mannschaft agierte in ihrem gewohnten 4-2-3-1, in dem der inverse Linksverteidiger Tate Johnson mit seiner Positionierung darüber bestimmte, ob man in einem 2-3- oder 3-2-Aufbau spielte. Seattle versuchte mit einem engen 4-4-2 gegen den Ball die Wege durchs Zentrum zu schließen, was gut funktionierte. So musste Müller häufig auf den Flügel ausweichen, um an Ballkontakte zu kommen. Auch der formstarke Spielgestalter Sebastian Berhalter kam nur selten in aussichtsreichen Räumen an den Ball.

Demzufolge endeten viele Angriffe von Vancouver auf den Flügeln. Kombinierte man sich dann doch mal in aussichtsreiche Positionen, fehlte häufig der letzte Pass oder Abschluss. Wie gefährlich es werden kann, wenn Müller im zentralen Raum vor dem gegnerischen Strafraum an den Ball gelangt, zeigte die 32. Minute, als er einen Ball geistesgegenwärtig auf die freie linke Seite weiterleitete. Kenji Cabreras Abschluss war letztlich aber zu harmlos.

Nackenschlag vor der Pause

Bitter: Gerade als die Whitecaps sich ab Mitte des ersten Durchgangs stabilisierten, insbesondere das Gegenpressing besser griff und man den Gegner mehr und mehr einschnürte – zugegebenermaßen ohne gute Chancen zu kreieren –, geriet man kurz vor dem Pausenpfiff in Rückstand. Ein zu kurz geratener Rückpass von Innenverteidiger Mathías Laborda – nicht das erste Mal von ihm in dieser Saison – wurde von Seattle eiskalt zur Führung genutzt. Trotz nur 41 Prozent Ballbesitzes war diese angesichts der höheren Chancenqualität bei 7:7 Abschlüssen zur Halbzeit nicht völlig unverdient.

Fehler im Pressing führen zu Gegentoren

In der zweiten Halbzeit war anzumerken, dass sich Kapitän Müller zeigen wollte. So wich er nicht nur auf die Flügel aus, sondern bot sich auch mal zentral in tieferen, aber eben ungefährlichen Räumen an. Zu richtigen Torchancen kamen die Whitecaps dennoch nicht. Auf der anderen Seite markierte Seattle dafür in der 58. Minute das 0:2. Wieder einmal war ein unkoordiniertes Pressing der Auslöser: Gleich vier Whitecaps-Spieler orientierten sich auf einen Gegenspieler, der sich dennoch lösen konnte. Daraufhin fanden die Gäste sehr viel Raum auf dem rechten Flügel vor – und eine hohe kanadische Kette, wodurch man letztlich auch mit etwas Glück zum Torerfolg kam.

Nachdem nach der Pause schon Ralph Priso für Tristan Blackmon eingewechselt worden war, versuchte Sørensen mit Flügelspieler Cheick Sabaly und Sturmführer White für frischen Wind zu sorgen. Ohnehin schien die Connection zwischen dem engagierten White-Ersatz Rayan Elloumi und Müller sowohl mit als auch gegen den Ball noch nicht so zu funktionieren. Den Wendepunkt sollte dieser Doppelwechsel allerdings nicht bringen. Die größte Whitecaps-Chance zum Anschlusstreffer erfolgte nach einer Ecke, zuvor versuchte es Müller nach einer Flanke per Kopf. Die zündenden Ideen gegen einen tiefen Sounders-Block fehlten weiterhin.

Unmittelbar nach der Doppelchance nach Ecke folgte dann der nächste Nackenschlag. Wieder sorgte fehlende Abstimmung im Pressing dafür, dass der Raum hinter Linksverteidiger Johnson verwaist blieb. Ähnlich wie schon beim 0:2 führte dies – ebenfalls wieder mit etwas Glück – zum 0:3.

Müller verpasst Anschluss

Daraufhin belagerten die Whitecaps das letzte Drittel, ohne wirklich Torgefahr auszustrahlen. Mit der vorletzten Aktion wäre Müller dann fast noch der nicht unwichtige Anschlusstreffer gelungen. Mit etwas Glück landete der Ball vor den Füßen des 36-Jährigen, der die nicht ganz einfach zu nehmende Kugel allerdings nur gegen die Latte setzte.

So stehen die Vancouver Whitecaps nun vor einer Mammutaufgabe für das Rückspiel in der kommenden Woche in Seattle. Dort gilt es, in Anbetracht der im Champions Cup vorherrschenden Auswärtstorregel, einen Drei-Tore-Rückstand aufzuholen. Der erste Titel scheint nach diesem Hinspiel aber bereits in weiter Ferne – wenngleich das Ergebnis angesichts von 17:10 Schüssen pro Heimteam etwas zu hoch ausfiel.

Am Sonntag kommt es für Thomas Müller in der MLS zu einem Wiedersehen mit einem ehemaligen FC-Bayern-Spieler. Vor heimischer Kulisse treffen die Whitecaps auf Minnesota United und James Rodríguez, der vor wenigen Wochen nach Amerika wechselte und sein Debüt feiern könnte.

Das muss bei Thomas Müllers Vancouver Whitecaps noch besser werden

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Chaehyun Lim

Top-Start für die Whitecaps

Weiterkommen im Champions Cup und drei Siege aus den ersten drei MLS-Spielen – besser hätte die Saison 2026 für die Vancouver Whitecaps und Thomas Müller kaum starten können. Umso mehr, wenn man sich die Daten der Ligaspiele ansieht. Denn auf Grundlage der Expected Goals war man jeweils deutlich überlegen.

Die starke Defensive ließ laut Opta nie mehr als 0,43 xG zu. In der Offensive weist man mit insgesamt einem xG-Wert von 7,5 den Bestwert der Liga auf. Insofern ist man auch nach Expected Points (8,4) bislang das beste Team der noch jungen MLS-Saison.

Probleme gegen tiefe Blocks?

Und dennoch gibt es gerade in der Offensive noch Entwicklungspotenzial – zugegebenermaßen Kritik auf hohem Niveau. So tun sich die Whitecaps noch etwas schwer, aus dem geordneten Ballbesitz gegen einen tiefstehenden Defensivblock Chancen zu kreieren.

Das zeigt auch ein Blick darauf, wie die zehn Pflichtspieltore entstanden sind: fünfmal nach Standards, zweimal nach Gegenpressing und „nur“ dreimal herausgespielt. Gerade die beiden Spiele gegen Cartaginés haben gezeigt, dass es gegen derart defensiv eingestellte Mannschaften zäh werden kann – wenngleich es die ersten Pflichtspiele der neuen Saison waren und teilweise in der Aufstellung rotiert wurde.

Lösungen künftig nötig

Nicht falsch verstehen: Ich bin tief davon beeindruckt, wie Vancouver Fußball spielt. Zumal die ruhenden Bälle von Sebastian Berhalter und das scharfe Gegenpressing eine echte Waffe sind.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass aufgrund der dominanten Spielweise und der starken Ergebnisse, mit denen man sich eine zunehmend stärkere Favoritenrolle erarbeitet, die Gegner künftig tiefer verteidigen werden. Zudem könnten sie versuchen, durch sofortiges Klären des Balles Gegenpressingaktionen von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Dafür braucht es Lösungen, häufiger in den zentralen Raum vor der gegnerischen Abwehrkette zu kommen. Denn bislang muss Thomas Müller noch häufiger auf den Flügel ausweichen, um zu Aktionen zu kommen.

Müller als Schlüssel?

Doch gerade Müller sollte mit seiner Genialität und seinen Raumdeuterfähigkeiten der Schlüssel dafür sein, noch mehr Kreativität im letzten Drittel zu entfachen – zumal auch er sich noch längst nicht in Topform befindet und noch Luft nach oben hat.

Unter dem Strich handelt es sich hierbei allerdings um Kritik auf sehr hohem Niveau für die Vancouver Whitecaps. Doch Müller dürfte das aus seinen 16 Jahren beim FC Bayern nicht anders gewohnt sein – und wohl auch selbst den Anspruch haben, sich ständig zu verbessern.

„Ich denke, es war bislang die stärkste Leistung dieser Saison“, verdeutlichen die Worte von Trainer Jesper Sørensen nach dem jüngsten 4:1-Sieg bei den Portland Timbers, dass man sich auf dem absolut richtigen Weg befindet.

Berhalters Zauberfuß macht Thomas Müller glücklich

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Chaehyun Lim

Gegnerischer Trainer sieht Müller als Vorbild

Auch in ihrem ersten MLS-Auswärtsspiel dieser noch jungen Saison konnten die Vancouver Whitecaps und Thomas Müller ihre Erfolgsserie fortsetzen. Nach den beiden Heimsiegen gewannen die Kanadier mit einem über die volle Distanz auf dem Platz stehenden Müller mit 4:1 bei den Portland Timbers.

Die bayerische Legende fungierte mit ihrem Auftritt sogar als Vorbild für den Gegner, wie Portland-Trainer Phil Neville nach dem Spiel sagte: „Ich möchte, dass sie sich alle das Spiel noch einmal ansehen und Thomas Müller in der 90. Minute zurücklaufen sehen. Einige unserer Jungs haben das nicht getan“, hob er die Intensität und Laufbereitschaft des 36-Jährigen hervor.

Tatsächlich wurde Müller mit fortlaufender Spieldauer immer präsenter im Spiel der Whitecaps – wenngleich er anfangs wieder öfter auf den linken Flügel ausweichen musste, um Ballkontakte zu sammeln. In ihrem gewohnten 4-2-3-1 waren die Gäste insbesondere in der ersten Halbzeit einmal mehr das spieldominante Team.

Starkes Gegenpressing führt zum Tor

Gegen ein häufig enges 4-3-3 im Spiel gegen den Ball der Timbers, die damit versuchten, das Zentrum zu verdichten, scheute man sich nicht, auch unter Druck zu den beiden ballsicheren Sechsern Andre Cubas und Sebastian Berhalter hineinzuspielen. Dabei setzte Vancouver im tiefen Ballbesitzspiel oftmals auf einen 2-4-Aufbau, wodurch die Passwege auf die Flügel häufig frei waren und man das Pressing oftmals überspielte.

Die Timbers setzten auf Konterchancen und lauerten auf Fehler von Vancouver, die sie vor der Pause zwei- bis dreimal anboten – allerdings ohne Folgen. Warum die Whitecaps trotz ihres vielen Ballbesitzes so wenig Konterchancen zuließen, zeigte eine Szene kurz vor dem Führungstor: Jeevan Badwal jagte einem hohen Ballverlust sofort hinterher und eroberte den Ball zurück. Aus diesem scharfen Gegenpressing resultierte letztlich das 1:0 durch Stürmer Brian White, der eine feine Berhalter-Hereingabe aus kurzer Distanz verwertete – die erste richtige Chance der Gäste.

Müller präsenter, Berhalter überragend

Daraufhin fand Müller immer besser Freiräume im Zentrum – und seine Mitspieler ihn. Auch wenn der Nummer 13 auch diesmal nicht alles mit Ball gelang und der ein oder andere vermeidbare Fehlpass dabei war, lieferte er auch ohne Ball am Fuß seinen Mehrwert. Einerseits durch ein ständiges Coaching der Mitspieler und andererseits durch clevere Laufwege oder Blocks von Gegenspielern, die seinen Mitspielern Freiräume ermöglichten.

Einen seiner zwei Abschlüsse gab Müller in der 33. Minute ab, als er zunächst mit einem tiefen Klatschball half, das gegnerische Pressing einmal mehr zu überspielen, und nur wenige Sekunden später aus rund 20 Metern abzog.

Kurz nach der Pause war es dann wieder ein ruhender Ball von Berhalter, der die Vorentscheidung besorgte. Seine Halbfeldfreistoßflanke auf den zweiten Pfosten erreichte Innenverteidiger Tristan Blackmon, dessen Torversuch im zweiten Anlauf mit etwas Glück im Netz landete.

Daraufhin schien das Spiel gegen einen bislang harmlosen Gegner mit so gut wie keinen Torchancen entschieden. Umso mehr, weil der überragende Berhalter mit einem platzierten Abschluss aus dem Rückraum eine starke Vorbereitung von Linksaußen-Dribbler AZ Jackson zum 3:0 in der 63. Minute vollendete.

Kleiner Wackler der Whitecaps

In dieser Phase ergaben sich mehr und mehr Freiräume für die Whitecaps, in denen Müller sichtlich Spaß am Kombinieren fand und noch einige kluge Pässe spielte. Auch wenn seine Bewegungen nicht immer konventionell waren, so waren sie oftmals effektiv. Ebenso seine Wege gegen den Ball, mit denen er Portland den Weg zurück ins Spiel erschwerte.

Nichtsdestotrotz kamen die Timbers nach einem Dreifachwechsel der Whitecaps durch einen traumhaften Fernschuss von Eric Izoita in der 72. Minute zurück ins Spiel.

In einem eigentlich entschieden geglaubten Spiel kippte das Momentum noch einmal. Die Whitecaps schienen für ein paar Minuten zu wackeln und ließen sich tiefer fallen. Angesichts von insgesamt nur 0,5 Expected Goals der Gastgeber war aber auch in dieser vermeintlich kritischen Phase die Gefahr nie wirklich real. Auch Müller half dabei, die vielen Hereingaben von Portland zu verteidigen.

Ungefährdeter Sieg

Stattdessen konnten die Whitecaps das Spiel schnell wieder beruhigen und die sich ergebenden Räume in der 87. Minute nutzen. Auch hier war es wieder eine starke Gegenpressing-Aktion, die das Tor zum 4:1-Endstand durch Doppelpacker White nach Steckpass des eingewechselten Kenji Cabrera einleitete.

Am Ende stand ein letztlich ungefährdeter 4:1-Sieg für die Vancouver Whitecaps, der angesichts von 17:7 Schüssen und 3,1 Expected Goals in Ordnung geht. Thomas Müller bot eine typische Müller-Leistung, die seinem Team auch ohne Tore und Vorlagen einen wichtigen Mehrwert bietet.

Auch seine Klasse abseits der rein fußballerischen Fähigkeiten wurde einmal mehr deutlich, als er nach dem Treffer zum 3:0 seine Mitspieler darauf hinwies, nicht allzu ausgelassen vor den heimischen Fans zu jubeln und sich bei diesen sogar entschuldigte.

Die Bilanz in der MLS 2026 bleibt mit drei Siegen und 8:1 Toren weiterhin makellos. Bereits am Freitagmorgen um 3:00 Uhr deutscher Zeit geht es mit dem Achtelfinal-Hinspiel im Champions Cup zu Hause gegen die Seattle Sounders weiter.

Thomas Müller & die Vancouver Whitecaps – a Perfect Match?

Thomas Müller Vancouver Whitecaps Analyse Taktik Daten Statistik MLS USA Champions Cup Kanada

Chaehyun Lim

Warum Thomas Müller die Vancouver Whitecaps nach seinem Abschied beim FC Bayern gewählt hat, kann ich gut nachvollziehen, nachdem ich die ersten vier Pflichtspiele der neuen Saison über die volle Distanz gesehen habe. Meine ersten Gedanken zu Müllers Whitecaps:

Klare Spielidee mit viel Kontrolle

Die kontrollierte Spielweise der Kanadier steht dem 36-Jährigen sehr gut zu Gesicht. Das beginnt schon beim Torhüter Yohei Takaoka, der gerne ins Aufbauspiel eingebunden wird. In einem breit angelegten Spiel mit viel Ballbesitz in einem 4-2-3-1 kann Müller seine Paraderolle hinter der Spitze in einer Formation einnehmen, die er aus 16 Jahren beim FCB aus dem Effeff kennt.

Dabei lässt der dänische Trainer Jesper Sørensen nicht nur Müller viele Freiheiten, sich zu bewegen und zwischen verschiedenen Räumen zu rochieren. Wichtig ist dabei nur, dass die Positionen besetzt bleiben.

BTW: Ich halte Sørensen nach dem, was ich bislang gesehen habe, für einen sehr fähigen Trainer, der eine klare Spielidee hat und auch selbst sehr klar wirkt. Dazu gehört inzwischen auch ein sehr aggressives und intensives Spiel gegen den Ball, in dem Müller als Initiator und Anführer im Pressing bestens hineinpasst.

Interessanter Kader

Aber auch ansonsten gefallen mir die Whitecaps gut. Sie verfügen über einen breiten Kader, wie Müller selbst nach dem jüngsten Erfolg lobte.

Da ist vor allem die Doppelsechs zu nennen, die sich mit Spielgestalter Sebastian Berhalter (Sohn von Ex-Bundesligaspieler Gregg) und Zerstörer Andre Cubas sehr gut ergänzt.

Oder auch die Flügelspieler auf der defensiven sowie offensiven Außenbahn – einige können sowohl links als auch rechts sowie in der Breite als auch invers agieren. Auffällig: Einer besetzt meist den Halbraum, der andere die Breite, wodurch sich mit Ball eine 3-Box-3-ähnliche Struktur formiert.

Müllers Connection mit dem Stürmer

Besonders wichtig für Müller ist die Connection zum Mittelstürmer. Und die scheint mit Brian White gegeben. Ich habe den Eindruck, dass sich die beiden mit ihren Laufwegen gut verstehen – aber auch neben dem Platz, wie White kürzlich durchklingen ließ.

Saisonstart macht Lust auf mehr

Alles in allem sieht es zwischen Thomas Müller und den Vancouver Whitecaps nach einem Perfect Match aus – das zeigte bereits das zweite Halbjahr der Vorsaison, das mit dem MLS-Finale endete.

Mit den beiden Siegen zum MLS-Start (inklusive eines Müller-Doppelpacks) und dem Weiterkommen im Champions Cup gelang nun auch der Start in die neue Saison makellos – mit einer starken Defensive um Tristan Blackmon und Ralph Priso, die nicht nur ohne Gegentor blieb, sondern auch kaum gegnerische Torchancen zuließ.

Insofern bin ich sehr gespannt, was dieses Jahr noch auf Müller und seine Whitecaps wartet. Die ersten vier Spiele haben jedenfalls große Lust auf mehr gemacht – und ich freue mich schon jetzt auf die nächste MLS-Partie gegen die Portland Timbers.

Doppelpacker Thomas Müller führt Whitecaps zu „Derby“-Sieg

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Chaehyun Lim

Zweiter Sieg im zweiten Spiel

„Die Maschinerie kommt ins Rollen“, sagte Thomas Müller am Sonntagmorgen deutscher Zeit in einem TV-Interview. Denn seine Vancouver Whitecaps konnten auch das zweite MLS-Spiel dieser Saison gewinnen. Vor heimischer Kulisse im BC Place Stadium schlug man im innerkanadischen Duell den Toronto FC deutlich mit 3:0.

Müller coacht

Müller selbst konnte entscheidend zu dem für die Fans so wichtigen Erfolg beitragen. In seiner gewohnten Paraderolle als Zehner im 4-2-3-1 versuchte er sofort, Einfluss zu nehmen. Zunächst mehr durch Coaching seiner Mitspieler – sowohl im Pressing als auch bei den Positionierungen mit Ball.

Anhand seiner Gestik konnte man erahnen, dass ihm das Whitecaps-Spiel in den ersten zehn Minuten noch zu behäbig vonstattenging. Dem versuchte der 36-Jährige gegen einen auf die Defensive beschränkten Gegner mit wenig Ballbesitz mit seinem Zwei-Kontakt-Spiel entgegenzuwirken.

Rochierender Müller

Nach dieser Anfangsphase ergaben sich dann viele Chancen für die Whitecaps – unter anderem für Müller selbst in der 15. Minute, als er einen verunglückten Abschluss von Mittelfeldspieler Sebastian Berhalter nur knapp am Tor vorbeilenkte.

Das Gegenpressing der Gastgeber war so scharf, dass sich Toronto immer weniger aus der eigenen Hälfte befreien konnte. Gegen den tiefen Block versuchte Müller immer wieder mit Positionsrochaden – zunächst viel auf die linke, später vermehrt auf die rechte Seite –, Bewegung in die gegnerische Defensive zu bringen.

Drei Tore vor der Pause

Auch weil sich die Whitecaps dennoch schwer taten, Müller im zentralen Raum zwischen den Linien zu finden, musste ein Umschaltmoment zum 1:0 beitragen. Einen langen Ball verlängerte Sturmspitze Brian White per Kopf auf Linksaußen AZ Jackson. Der Flügeldribbler zog in den Strafraum und konnte nur noch per Foul gestoppt werden. Den fälligen Strafstoß verwandelte Müller links unten zu seinem insgesamt zehnten Tor im 17. Spiel für die Kanadier, das elfte sollte folgen.

Den beiden weiteren Treffern der Whitecaps, die noch vor dem Halbzeitpfiff fielen, ging jeweils ein Eckstoß von Standardkönig Berhalter voraus. Eine Kopfballverlängerung von Mathis Laborda vollendete der alleingelassene Müller aus kurzer Distanz mit dem linken Fuß in der 37. Minute zum 2:0 – und damit zu seinem Doppelpack. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte segelte Toronto-Keeper Luka Gavran an einer Hereingabe vorbei, White staubte zum 3:0-Endstand ab.

Zurückhaltendere zweite Halbzeit

In Anbetracht der deutlichen Führung ließen es die Whitecaps im zweiten Durchgang etwas gemächlicher angehen. Der Ballbesitz sank von 67 auf 57 Prozent, Großchancen – wie in Halbzeit eins mit insgesamt 2,5 Expected Goals – gab es keine mehr. Auch nicht für Toronto, das insgesamt auf nur 0,24 xG kam.

Neben Müllers großem Einfluss mit seinen Toren und seinem Coaching schlichen sich auch noch ein paar Unsauberkeiten und Ballverluste ein – so kam der Ex-Bayer am Ende „nur“ auf eine Passquote von 68 Prozent, was er angesichts des Spielverlaufs verkraften dürfte. „Er spielte sehr gut“, urteilte sein Trainer Jesper Sørensen.

Müller nach 70 Minuten ausgewechselt

Nach 70 Minuten war für Müller Schluss. Sørensen nutzte die Gelegenheit, um nach einem intensiven Saisonauftakt mit vier Spielen in zehn Tagen durchzuwechseln. Wie Müller nach dem Spiel im TV-Interview sagte, schätze er die Breite des Kaders, was bei der intensiven Spielweise der Whitecaps von großer Bedeutung sei. Schließlich legte man auch gegen Toronto wieder von Beginn an eine hohe Intensität an den Tag, um frühe Ballgewinne zu generieren und das Spiel dominant gestalten zu können.

Noch ohne Gegentor: guter Start für Müllers Whitecaps

Wenngleich Trainer Sørensen bereits gute Muster im Spiel seiner Mannschaft sah – so wurde beispielsweise immer wieder der flinke AZ Jackson mit Spielverlagerungen für Eins-gegen-eins-Duelle isoliert –, mussten am Ende drei Standardtore her. Insofern gibt es in puncto Kreativität im letzten Drittel sicherlich noch Steigerungspotenzial.

Doch mit zwei Siegen in der MLS sowie dem Weiterkommen im Champions Cup starten die Vancouver Whitecaps und Thomas Müller mit vier ungeschlagenen und sogar gegentorlosen Partien eindrucksvoll in die neue Saison. Nun hat man eine Trainingswoche Zeit, um sich auf den dritten MLS-Spieltag am kommenden Wochenende bei den Portland Timbers vorzubereiten.

Zum 3. Mal Pfosten: Umtriebiger Joker Thomas Müller weiter im Abschlusspech

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Chaehyun Lim

Müller zunächst auf der Bank, White vergibt

Im Vergleich zum erfolgreichen MLS-Start am vergangenen Wochenende nahm Vancouver-Whitecaps-Trainer Jesper Sørensen im Champions-Cup-Rückspiel gegen CS Cartaginés vor heimischer Kulisse die ein oder andere Änderung in der Startformation vor. So nahm Thomas Müller – wie schon beim 0:0 im Hinspiel in Costa Rica – zunächst auf der Bank Platz.

Ohne ihren Kapitän legten die favorisierten Kanadier einen dominanten ersten Durchgang hin – allerdings ohne sich mit einer Führung zu belohnen. Wie schon in den ersten beiden Pflichtspielen ging es auch diesmal torlos in die Halbzeitpause.

Die besten Chancen zur Führung vergab die im 4-2-3-1 einzige Sturmspitze Brian White. Nach einem äußerst zweifelhaften Handspielpfiff scheiterte der 30-jährige US-Amerikaner beim daraus resultierenden Strafstoß am Gästetorhüter. Schon zuvor hatte White aus kürzester Distanz vergeben.

Müller beschleunigt das Spiel

Nach der Pause war dann auch Müller mit von der Partie, rückte auf seine gewohnte Zehnerposition – und sollte dabei helfen, das behäbige Ballbesitzspiel der Whitecaps gegen einen erneut tief verteidigenden Gegner ideenreicher zu gestalten.

Dies gelang der FC-Bayern-Legende auf Anhieb. Es dauerte keine zwei Minuten, ehe eine seiner Ein-Kontakt-Weiterleitungen mit anschließendem Halbraumtiefenlauf und Flanke für erste Akzente sorgte.

Als Verbindungsspieler in den Halbräumen für Kombinationen mit den Flügelspielern – ähnlich wie schon zum MLS-Start gegen Real Salt Lake – trug er dazu bei, das Spieltempo zu erhöhen, insbesondere weil er mit maximal zwei Kontakten oder Doppelpässen das Passtempo hochhielt. Doch auch ohne Ball versuchte Müller einzuwirken, indem er Läufe anbot und seine Mitspieler coachte.

Sechs Minuten nach seiner Einwechslung war es dann fast so weit: Eine Halbfeldflanke von der rechten Seite setzte der 36-Jährige per Kopf an den Pfosten.

Nach Führung wenig Gegenwehr

Folgerichtig ging Vancouver in der schwungvollen Phase nach der Pause in der 58. Minute – als Müller bereits dreimal zum Abschluss gekommen war – in Führung. Eine Ecke von Mittelfeldmotor Sebastian Berhalter kam über Umwege zu Linksaußen Kenji Cabrera, der den Ball aus rund fünf Metern zum 1:0 per Dropkick in die Maschen beförderte.

CS Cartaginés konnte der Whitecaps-Führung – bis auf eine gefährliche Freistoßflanke – in der Folge kaum etwas entgegensetzen. Der einzige Abschluss in Halbzeit zwei in der 66. Minute erfolgte aus einer Abseitsposition. Ansonsten gingen die Bälle bei nur 35 Prozent Ballbesitz gegen das hohe Pressing der Kanadier schnell wieder verloren.

Müller im Pfostenpech

Sein erstes Tor dieser noch jungen Saison sollte Müller dennoch nicht gelingen. Nach einem Dribbling im Anschluss an einen Einwurf in der 77. Minute zog der Oberbayer von der halblinken Spur ins Zentrum und traf kurz vor der Strafraumlinie mit einem platzierten Rechtsschuss aus halblinker Position zum dritten Mal in dieser Saison den rechten Torpfosten.

Etwas mehr Glück hatte Teamkollege Berhalter drei Minuten später, der mit einem Nachschuss innerhalb des Strafraums das 2:0 erzielte und damit das Spiel endgültig entschied.

Müllers gute Frühform

Bei Thomas Müller kann man derweil von einer guten Frühform sprechen. Mit seiner Einwechslung beeinflusste er das Spiel der Vancouver Whitecaps entscheidend zum Positiven, indem er vermeintlich einfache Dinge wie „Spielen und Gehen“ sauber ausführts.

Im Achtelfinale des Champions Cups wartet nun Ligakonkurrent Seattle Sounders. Am Wochenende steht der zweite Spieltag der MLS an, bei dem Vancouver die Landsmänner aus Toronto im heimischen BC Place Stadium empfängt. Mit dem Weiterkommen im Champions Cup und dem Sieg zum MLS-Start gegen Real Salt Lake – bei bislang keinem einzigen Gegentor – ist der Saisonstart gelungen.

Gut aufgelegter Thomas Müller scheitert knapp am Torerfolg zum MLS-Start

Thomas Müller Vancouver Whitecaps Analyse Taktik Daten Statistik MLS USA Champions Cup Kanada

Mark Zhuang

Müller hält Versprechen

„Wir werden gewinnen. Ich hoffe, ich kann in drei Stunden auch lachen“, kündigte Thomas Müller unmittelbar vor dem MLS-Auftakt der Vancouver Whitecaps am Sonntagmorgen in seiner gewohnten charmanten Art in einem TV-Interview an. Dieses Versprechen konnte der 36-Jährige mit seiner Mannschaft halten. Denn die Kanadier gewannen ihr Heimspiel gegen Real Salt Lake City mit Müller über die volle Distanz auf dem Feld knapp mit 1:0.

Müller viel unterwegs

Der Deutsche kam – anders als noch bei seinem Jokereinsatz im Champions Cup unter der Woche – von Beginn an gut in die Partie. In seiner gewohnten Zehnerposition im 4-2-3-1 war Müller viel unterwegs – vor allem in der Horizontalen. So wich er mal auf die linke, mal auf die rechte Seite aus, um mit den dribbelstarken Flügelspielern AZ Jackson und Emmanuel Sabbi zu kombinieren.

Situativ ließ sich die einzige Spitze Brian White neben Müller fallen, wodurch die Whitecaps mit Ball in einem 4-2-2-2 agierten, in dem die Flügelspieler die höchsten Positionen einnahmen.

Pfostentreffer Müllers

Nach ziemlich genau 16 Minuten war es dann beinahe so weit für Müllers erstes Ligator der neuen Saison. Über Umwege kam der Oberbayer rund 18 Meter vor dem Tor an den Ball, legte sich diesen mit rechts perfekt auf den linken Fuß und schloss trocken ins rechte untere Eck ab. Allerdings verhinderte der Pfosten sein zehntes Tor im 15. Spiel für Vancouver.

In der 33. Minute brachte der auf den linken Flügel ausgewichene Müller nach einem Doppelpass eine präzise Flanke in den Strafraum, die Mittelfeldmann Sebastian Berhalter – Sohn von Ex-Bundesligaprofi Gregg Berhalter – über das Tor setzte. Es sollten die einzigen beiden Schussbeteiligungen der Nummer 13 an diesem ersten Spieltag bleiben.

Torschütze in Müllers Rücken

Die optisch und technisch überlegenen Whitecaps – insgesamt 58 Prozent Ballbesitz – taten sich ansonsten schwer, gegen einen gut organisierten Gegner Großchancen zu kreieren. In der 57. Minute war es dann Neuzugang AZ Jackson, der eine abgefälschte Hereingabe von Linksverteidiger Tate Johnson aus halblinker Position aus etwa elf Metern in Müllers Rücken zum goldenen 1:0 verwertete.

In der Folge spielten die Gastgeber den knappen Vorsprung relativ ungefährdet über die Zeit und ließen Real Salt Lake zu keiner nennenswerten Chance mehr kommen, nachdem man in Durchgang eins bei zwei, drei Situationen – inklusive eines knapp aberkannten Treffers wegen Abseits – noch Glück gehabt hatte. In einer hektischen Schlussphase half eine Umstellung auf eine Fünferkette, die Gäste besser zu verteidigen.

Dominant dank Müller-Pressing

Müller selbst war nach der Pause mit Ball nicht mehr ganz so präsent wie noch im ersten Durchgang. Allerdings versuchte der Kapitän über die gesamte Partie hinweg, das Pressing seiner Mannschaft zu ordnen, fand immer wieder gute Trigger und legte viel Intensität an den Tag. Dadurch trug er dazu bei, dass die Whitecaps weite Teile der Partie dominierten und viele Bälle früh eroberten.

Doch wie schon im Champions Cup fehlten teilweise noch die Ideen im letzten Drittel, um Müller häufiger zwischen den Linien zu finden. Stattdessen musste man oft auf Einzelaktionen über die Flügel setzen.

Guter Start für Müller

So steht unter dem Strich zwar ein verdienter, aber nicht unbedingt schöner Sieg (13:10 Schüsse, 1,5 zu 1,1 xG) zu Buche, wie Trainer Jesper Sørensen, der erst kürzlich seinen Vertrag verlängerte, nach dem Spiel zusammenfasste. Für Müller persönlich war es ein Start, auf dem man aufbauen kann: 47 Ballaktionen, 82 Prozent Passquote – und beinahe sein erster Torerfolg pflichten dem bei.

Weiter geht es am Donnerstagmorgen mit dem Rückspiel im Champions Cup zu Hause gegen CS Cartaginés, wo man im Hinspiel nicht über ein 0:0 hinauskam. Immerhin steht die Defensive der Vancouver Whitecaps nach zwei Pflichtspielen ohne Gegentor stabil. Nun gilt es, rund um Thomas Müller noch mehr Lösungen im letzten Drittel zu finden.

Warum für Thomas Müller Ergebnisse zum MLS-Start noch nicht entscheidend sind

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Foto: Club Sport Cartaginés

MLS-Start für Müller

In der Nacht von Samstag auf Sonntag um 1:30 Uhr deutscher Zeit ist es soweit: Die erste volle Saison für Thomas Müller in der MLS beginnt, nachdem er in der Vorsaison im Sommer vom FC Bayern zu den Vancouver Whitecaps wechselte. In der zweiten Saisonhälfte gelang es den Kanadiern mit Müller, einen starken Lauf bis ins Play-off-Finale der MLS hinzulegen, wo man Lionel Messis Inter Miami unterlag.

Spielweise statt Ergebnisse zunächst entscheidend

Auf diesem erfolgreichen Vorjahr will Müller nun mit seiner Mannschaft aufbauen: „Es ist wichtig für mich, dass wir auf den Dingen aufbauen, die wir gemeinsam geschaffen haben“, erklärt der 36-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem ersten Heimspiel gegen Real Salt Lake seine Erwartungen an die neue Saison.

In einem Spiel der Wahrscheinlichkeiten, das der Fußball mit seinen vielen Zufällen nun einmal ist, steht für die FC-Bayern-Legende vor allem die Leistung im Vordergrund: „Ich spreche nicht über Ergebnisse. Man kann die Ergebnisse nicht kontrollieren, aber du kannst die Herangehensweise kontrollieren. Es geht um den Spielstil. Es geht um Gewohnheiten auf dem Spielfeld. Wir wollen unsere guten Gewohnheiten, unser Teamwork, unseren Spielstil von Anfang an zeigen.“

Zudem gestehe der Modus der MLS einer Mannschaft mehr Zeit zu: „Aber in der MLS hat man aufgrund des Play-Off-Modus Zeit. Du hast Zeit, neue Spieler zu integrieren. Wenn du an Ligawettbewerben teilnimmst, in denen der Tabellenerste die Meisterschaft gewinnt, hast du keine Zeit am Anfang.“ Insofern sei Müller „hinsichtlich der Ergebnisse recht entspannt. Ich habe Erwartungen, wenn es um unseren Spielstil geht.“

Fokus auf Champions Cup

So haben jeweils die ersten neun von 15 Mannschaften jeder Conference die Chance, sich über die Play-offs zum MLS-Champion zu krönen. Auch deswegen dürfte der unter der Woche gestartete CONCACAF Champions Cup (mehr dazu hier) als K.-o.-Wettbewerb zunächst im Vordergrund stehen: „Die erste Hälfte der Saison dreht sich um den Champions Cup. Denn da findet die Entscheidung im Mai statt. Es gibt ein Finale und eine KO-Phase“, so der Weltmeister von 2014.

Müllers Pflichtspielauftakt unter der Woche in Costa Rica hier in der Analyse.

Großes Saisonziel

Nichtsdestotrotz will der erfolgreichste deutsche Fußballer aller Zeiten – gemessen an gewonnenen Titeln – natürlich in jedem Spiel als Sieger vom Platz gehen: „Wir wollen natürlich gewinnen. Wir wollen Tore erzielen. Wir wollen Fußball spielen, der Spaß macht.“

Entscheidend sei für ihn jedoch die Entwicklung bis zu den Play-offs zum Jahresende, um dann die Chancen zu erhöhen, vielleicht diesmal den MLS-Cup zu gewinnen. „Das ist vor der Saison leicht zu sagen. Wir wollen einfach reinstarten und dann schauen wir mal“, kann Thomas Müller keine Garantie geben, wohin es für seine Vancouver Whitecaps in diesem Jahr gehen wird – wenngleich die Ziele groß sind.

Bei 0:0 als Joker – Thomas Müller feiert Saisonauftakt in Costa Rica

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Foto: Diego Obando

Müller Joker zum Auftakt gegen Cartagines

Für Thomas Müller begann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag seine erste komplette Saison mit den Vancouver Whitecaps. Die Kanadier gastierten vor dem MLS-Start am kommenden Wochenende gegen Real Salt Lake im CONCACAF Champions Cup – einem K.-o.-Wettbewerb mit nord-, zentralamerikanischen sowie karibischen Mannschaften – beim costa-ricanischen Traditionsklub CS Cartaginés.

Beim torlosen Remis saß Müller – ebenso wie sein nicht eingesetzter deutscher Kollege und Ex-HSV-Profi Sebastian Schonlau – zunächst auf der Bank, wurde jedoch Mitte der zweiten Halbzeit in der 66. Minute eingewechselt. Im gewohnten 4-2-3-1-System unter dem dänischen Trainer Jesper Sørensen übernahm die FC-Bayern-Legende ihre angestammte Position im zentraloffensiven Mittelfeld hinter der einzigen Spitze – sowie die Kapitänsbinde. Gegen den Ball führte er das meist im 4-4-2 organisierte, mannorientierte Pressing seiner Elf an.

Wenig Akzente Müllers gegen tief verteidigenden Gegner

In seinen 27 Minuten auf dem Feld konnte Müller allerdings nicht dazu beitragen, dass der favorisierte Vorjahresfinalist aus Vancouver gegen einen tief verteidigenden Gegner mit letztlich nur 27 Prozent Ballbesitz zum Sieg kam. Zu selten wurde der sich gerne zwischen den Linien aufhaltende Weltmeister von 2014 gefunden. Stattdessen spielten die Whitecaps häufig um das in der Schlussphase sehr tiefe 5-4-1 der Costa Ricaner herum. Und wenn Müller doch an den Ball kam, verfolgte ihn ein Gegenspieler eng im Rücken. Auch deshalb brachte der gebürtige Oberbayer nur 55 Prozent seiner elf gespielten Pässe zum Mitspieler.

Holpriger Start für Müller & Whitecaps

Zwischenzeitlich ließ sich Müller auch tiefer fallen, um mehr Ballkontakte zu sammeln und die Bindung zum Spiel zu finden. Bei null Schussbeteiligungen sowie keiner Ballaktion im Strafraum darf man unter dem Strich dennoch von einem holprigen Start Müllers in die neue Saison sprechen.

Auch die Whitecaps dürften sich angesichts von 17:5 Abschlüssen mehr ausgerechnet haben – wenngleich insbesondere in der ersten Halbzeit durchaus ordentliche Ansätze und gute Chancen zum Auswärtssieg zu sehen waren – zumal sich Cartaginés bereits mitten im Spielbetrieb befindet.

Wichtigerer MLS-Start

In einer Woche hat Vancouver dann im Rückspiel im BC Place Stadium vor heimischer Kulisse die Chance, den Einzug ins Achtelfinale perfekt zu machen. Einen etwas höheren Stellenwert dürfte zuvor allerdings der erste MLS-Spieltag am Sonntagmorgen (1:30 Uhr deutscher Zeit) gegen Real Salt Lake haben – dann mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem Thomas Müller in der Startelf, der sich via Instagram erfreut darüber zeigte, dass es nun endlich wieder losging: „Ich bin sehr glücklich, wieder mit meinen Jungs auf dem Platz zu stehen.“